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Kino und Corona: Wie wird die Kinowirtschaft nach der Krise aussehen?

Wie wird die Kinowirtschaft nach der Krise aussehen?

Auch die Kinobranche ist in der Corona-Krise. Es ist bekannt: Kinobetriebe waren seit Jahren sowieso schon gebeutelt. DVD-Verkauf, Pay-TV, Streamingdienste und immer größere, immer höher auflösende LED-Fernseher für das Heimkino waren eine große Verlockung auch für das geneigte Kinopublikum. Wird die Corona-Krise zum Todesstoß für die Kinobranche? Das nun wahrscheinlich nicht, auch wenn sie die Kinobetreiber besonders hart trifft, was die betrieblichen Einschränkungen und Anpassungen betrifft.

Die neuen Medienangebote, die es dem Kino in den letzten Jahren schwer gemacht haben, hatten einen entscheidenden Vorteil: Den Reiz des Neuen. Das Konzept Kino ist seit über 100 Jahren bekannt; das Heimkino ist einfach spannend, weil neu, und auch, zugegeben: bequemer, flexibler, günstiger. Aber dass Streaming & Co. das Kino verdrängen werden, ist noch nicht ausgemacht. Auch wenn die Streamingangebote für zuhause jetzt in der Coronakrise einen entscheidenden Vorteil haben, nämlich soziale Distanz ohne Extra-Aufwand: Sobald die Krise vorüber ist, könnte sich dieser Vorteil umkehren, wenn viele Menschen nach Gesellschaft dürsten.

Rudelgucken ade: Streaming daheim ist bequem und sicher (momentan)

17 Mio. Euro pro Woche nehmen deutsche Kinos während der Krise weniger ein – bei nahezu gleichbleibenden Ausgaben. Darauf weist der HDF Kino e.V. hin, und fordert deshalb ein Soforthilfeprogramm für alle Kinobetreiber – Programmkinos wie großen Lichtspielhausketten. Aber ebenso wie viele andere Branchen sind auch Kino und Filmwirtschaft mitten in einer Umbruchphase, Nutzungshäufigkeit, Nutzungsart und Nutzungsmotive verschieben sich momentan stark. Diese Veränderung wird auch von den ständig neu entstehenden anderen medialen Unterhaltungsangeboten angetrieben: Neue Medienkanäle müssen erst ihre Nutzungsnische finden – und verdrängen oder eröffnen dadurch andere Formen des Medienkonsums.

Soll eine staatliche finanzielle Unterstützung der Kinobranche Innovationen in eine bestimmte Richtung fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu erhöhen? Soll sie Klein- und Kleinstbetriebe stärker unterstützen, um Diversität zu erhalten? Sollten sogenannte Programmkinos besonders gefördert werden, weil sie eine kulturell wertvollere Filmauswahl anbieten (und damit in der Regel kein Massenpublikum anlocken)? Wie stellt man sicher, dass nicht nur die Kinos in den Großstädten die Krise überleben, sondern Kinos auch in der Fläche erhalten bleiben? All dies sind Fragen, die bei einer Förderung der Kinobranche bedacht werden sollten. Wie sich aber das Kinopublikum während und nach der Krise verhalten wird, das ist noch kaum abzusehen. Für eine gezielte Förderung, die die Branche zukunftsfähig machen soll für die neue digitalisierte Filmwelt, bräuchte es wohl einen Blick in die Glaskugel.

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